Mythen-Check: „Mehr RAM macht den PC schneller!“

Wenn der PC immer langsamer wird und Programme gefühlt ewig lange laden müssen, ehe sie endlich das machen, was man von ihnen verlangt, wird einem oft dazu geraten, doch einfach mal den Arbeitsspeicher (RAM) zu erhöhen. Warum der Tipp zwar funktionieren kann, aber trotzdem kein Allheilmittel ist, klären wir in diesem Beitrag.


Bild: techrush

Um zu erkennen, wann eine Erweiterung des Arbeitsspeichers tatsächlich helfen kann und wann nicht, lohnt es sich zunächst das zugrundeliegende System zu verstehen. Welche Rolle hat der RAM (Random Access Memory) überhaupt in einem PC?

Arbeitsspeicher wird dazu genutzt, um Daten abzulegen, die von Prozessor, Grafikkare & Co. verarbeitet werden sollen. Im Gegensatz zu anderen Speichermedien wie SSDs oder HDDs, werden die Daten allerdings nur zwischengespeichert. Sobald sie verarbeitet wurden, wird der Speicherplatz also wieder für andere Daten freigegeben. Um möglichst viele Daten in einer möglichst kurzen Zeit verarbeiten zu können, ist der Arbeitsspeicher eines PCs deutlich schneller als die Festplatte, auf der beispielsweise Programme installiert und Bilder gespeichert werden.

Wenn nun aber extrem viele Daten verarbeitet werden müssen und die Kapazität des Arbeitsspeichers dementsprechend komplett ausgelastet ist, muss der PC auf die langsamere Festplatte ausweichen und dort ebenfalls Daten zwischenspeichern. Infolgedessen wird der PC tatsächlich langsamer, Ladezeiten werden länger und Spiele fangen an zu ruckeln. Also ja – die Größe des Arbeitsspeicher kann sich wirklich auf die Geschwindigkeit des PCs auswirken.

Ist der Arbeitsspeicher wirklich Auslöser?

Doch ein langsamer PC ist nicht zwingend auch auf ein zu kleinen Arbeitsspeicher zurückzuführen. Andere Komponenten wie Prozessor oder Grafikkarte können die Performance ebenfalls negativ beeinflussen. Um zu überprüfen, ob es wirklich am RAM liegt, lohnt sich ein Blick in den Task-Manager.

Der Task-Manager kann über die Tastenkombination „Strg + Alt + Entf“ oder per Rechtsklick auf das Windows-Symbol der Taskleiste aufgerufen werden. Unter der Rubrik „Leistung“ befinden sich die benötigten Daten.



Im Task-Manager wird anschaulich dargestellt, wie viel des vorhandenen Arbeitsspeichers für die aktuellen Anwendungen benötigt wird. Im obigen Beispiel sind 7,5 der insgesamt 7,8 GB RAM ausgelastet. Der Arbeitsspeicher arbeitet also an seiner Grenze und hat quasi keinen Puffer mehr. Der zugesicherte RAM ist bereits 12,4 GB groß. Ein Upgrade könnte in diesem Fall sinnvoll sein.

Wie viel Arbeitsspeicher benötigt wird, hängt letztlich von den jeweiligen Anwendungsfällen ab. Ein klassischer Office-Rechner, auf dem die meiste Zeit nur E-Mails geschrieben und mit Excel-Tabellen gearbeitet wird, benötigt deutlich weniger Arbeitsspeicher als ein Gaming-PC, auf dem die neuesten AAA-Titel gespielt werden sollen.

Als Richtlinie können folgende Größen angesehen werden: Office-PCs benötigen in der Regel nicht mehr als 8 GB Arbeitsspeicher, um die gängigen Aufgaben zu meistern. Bei einem Gaming-PC reichen aktuell, bis auf wenige Ausnahmen, 16 GB RAM aus. Für professionelle Bild- und Videoprogramme lohnen sich unter Umständen auch 32 GB oder sogar etwas mehr.

Fehlkauf vermeiden

Was würde denn nun passieren, wenn man den Arbeitsspeicher erweitert, obwohl er noch gar nicht an seinem Limit angelangt ist? Nichts – zumindest nichts, was im Alltag einen bedeutenden Unterschied machen würde. Dem PC ist es relativ egal, ob noch 4 oder 40 GB RAM als Puffer zur Verfügung stehen.

Sollte der PC dennoch spürbar langsamer geworden sein, könnte auch ein in die Jahre gekommener Prozessor der Flaschenhals sein. Immerhin steigen die Hardware-Anforderungen mit stetiger Entwicklung immer weiter an. Eventuell könnte es sogar schon ausreichen, den PC einmal komplett zurückzusetzen. Über die Jahre sammeln sich eine Menge Daten an, die eigentlich nicht mehr benötigt werden oder im schlimmsten Fall sogar schädlich sind. Auch das kann dafür sorgen, dass der PC plötzlich langsamer wird.

Bevor man also Blind auf den Rat eines Bekannten hört und sich neuen Arbeitsspeicher kauft, sollte man zunächst überprüfen, ob er tatsächlich der Auslöser ist. Ansonsten gibt man viel Geld aus, ohne die Situation zu verbessern. „Mehr RAM macht den PC schneller“ führt nicht immer zum gewünschten Erfolg. Aber ja, im Zweifel hat man lieber etwas zu viel als etwas zu wenig RAM im Rechner. Übrigens: eine große Auswahl an Arbeitsspeicher findet ihr natürlich bei ALTERNATE!

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1 Monat her

Gut zusammengefasst. Ich habe auch welche in meinem Freundeskreis, die ihren PC hauptsächlich benutzen um YouTube-Videos zu schauen, aber unbedingt 32 GB RAM wollten. Naja, wenn sie sich damit besser fühlen 😉