Neue Recherchen zeigen, dass die Schufa historische Finanzdaten von Millionen Menschen speichert. Das sorgt für Kritik bei Daten- und Verbraucherschützern. Doch warum werden diese Daten überhaupt gespeichert und was sagt die Schufa selbst dazu?

Person analysiert Finanzdaten und Diagramme auf einem großen Bildschirm in einem modernen Büro.
Bild: Kampus Production auf Unsplash

Die Schufa entscheidet oftmals darüber, wer einen Kredit bekommt, einen Handyvertrag abschließen kann oder eine Wohnung mieten darf. Erst im März 2026 führte das Unternehmen eine neue Berechnungsmethode für den Schufa-Score mit zwölf Bewertungskriterien ein. Jetzt steht die Schufa mit der sogenannten Schattendatenbank in der Kritik.

Was steckt hinter der Schattendatenbank?

Nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung speichert die Schufa neben ihrer regulären Datenbank auch historische Finanzdaten von rund 68 Millionen Menschen. Betroffen sind nahezu alle Personen, über die bereits einmal eine Schufa-Auskunft eingeholt wurde.

In der Datenbank befinden sich unter anderem Informationen zu Krediten, Kreditkarten, früheren Zahlungen, Schulden und Insolvenzen. Einige der gespeicherten Informationen sind laut Schufa bis zu zehn Jahre alt. Genau das sorgt für Kritik, denn nach Ansicht von Datenschutz- und Verbraucherschützern hätten viele dieser Informationen längst gelöscht werden müssen.

Verstößt die Datenspeicherung gegen die DSGVO?

In der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist das Recht auf Vergessenwerden geregelt. Nach der DSGVO dürfen personenbezogene Daten nicht unbegrenzt gespeichert werden. Sind sie nicht mehr erforderlich oder ist die Speicherfrist abgelaufen, müssen sie gelöscht werden. Das gilt beispielsweise auch für beglichene Schulden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende Transparenz. Viele wissen gar nicht, welche Daten die Schufa noch über sie speichert. Zwar lässt sich der aktuelle Schufa-Score kostenlos prüfen, die historischen Daten sieht man jedoch nicht. Genau das sorgt bei Datenschützern und der Verbraucherzentrale für Kritik.

Auch die Datenschutzexpertin Ruth Janal äußert Bedenken. Ihrer Ansicht nach geben die historischen Daten Einblicke in frühere finanzielle Situationen einer Person. Solche Informationen gingen Vertragspartner der Schufa nichts an. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht zudem die Gefahr, dass die Daten nicht ausschließlich für vorgesehene Testzwecke genutzt werden könnten, sondern möglicherweise auch bei Kreditentscheidungen eine Rolle spielen. Die Schufa selbst hält die Datenspeicherung dagegen für datenschutzrechtlich zulässig.

Was macht die Schufa mit den Daten?

Nach Angaben der Schufa dienen die historischen Daten ausschließlich Test- und Kontrollzwecken. Damit will das Unternehmen prüfen, ob neue Verfahren zur Risikobewertung zuverlässig funktionieren. Außerdem führt die Schufa Vergleichstests für Banken und andere Unternehmen durch. Laut Schufa verlassen die historischen Datensätze das Unternehmen dabei nicht. Nach Abschluss der Tests sollen wohl die Daten wieder gelöscht werden.

Die Schufa begründet die Speicherung damit, dass Banken auf zuverlässige Bonitätsbewertungen angewiesen seien. Nach Ansicht der Schufa braucht das Unternehmen die Daten, um die Qualität der Berechnungen zu überprüfen. Auch der von der Schufa beauftragte Datenschutzexperte Tim Wybitul hält dieses Vorgehen für einen legitimen Zweck. Nach Angaben des Unternehmens haben die historischen Daten außerdem keinen Einfluss auf den aktuellen Schufa-Score.


Ob die Speicherung der historischen Daten tatsächlich rechtmäßig ist, muss nun die Datenschutzbehörde klären. Bis dahin bleibt die Schattendatenbank der Schufa ein umstrittenes Thema, vor allem für Millionen Menschen, deren alte Finanzdaten weiterhin gespeichert sind.


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Quelle: t3n/heise

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