Mythen-Check: Ist der private Modus eines Browsers wirklich „privat“?

Inkognito-Tabs vermitteln einem schnell ein Gefühl von Sicherheit. Immerhin gibt es nach dem Schließen der Tabs keine Hinweise mehr auf die zuvor aufgerufenen Webseiten. Aber surft man wirklich so privat wie es scheint? Wir gehen dem Mythos auf den Grund.


Foto von Mikhail Nilov von Pexels

Wenn man einen Browser benutzt, um im Internet zu surfen, dann speichert dieser standardmäßig eine Vielzahl an Informationen ab. Im Verlauf lässt sich beispielsweise nachverfolgen, wann welche Webseite aufgerufen wurde. Je nachdem auf welchen Webseiten man unterwegs war, werden auch die ein oder anderen Cookies gespeichert. Und möglicherweise lassen sich auch Formulardaten speichern und auf Wunsch automatisch ausfüllen. Von „Privatsphäre“ kann hier keine Rede sein. Doch genau dafür haben die Browser-Hersteller ein nützliches Feature eingeführt: den privaten Modus. Aber was genau ist das überhaupt?

So funktioniert der private Modus

Auch wenn sich die Namen vielleicht von Anbieter zu Anbieter unterschieden, so ist die Funktionsweise doch immer sehr ähnlich. Der private Modus, Inkognito-Modus oder wie auch immer man ihn nennen möchte, speichert einfach deutlich weniger Daten ab. Sobald der Browser geschlossen wird, vergisst er quasi welche Webseiten zuvor besucht wurden – der Verlauf bleibt leer. Zudem werden die Cookies bei jedem Schließen gelöscht.

Welche Daten im privaten Modus trotzdem noch verarbeitet und gespeichert werden, ist nicht bei allen Anbietern gleich. Im Zweifelsfall sollte man immer einen Blick in die jeweiligen Support-Seiten werfen.

So ein privater Modus kann sehr nützlich sein. Insbesondere wenn man sich ein Gerät mit mehreren Personen teilt und nicht will, dass die anderen wissen, was man so im Internet treibt. Außerdem können so das Tracking und die personalisierte Werbung zumindest ein Stück weit eingeschränkt werden. Für wirklich anonymes Surfen ist die Funktion allerdings nicht geeignet.

Die Grenzen des privaten Modus

Ganz so privat, wie es der Name vielleicht vermuten lässt, ist man nämlich nicht. Netzwerkbetreiber oder Internetanbieter haben nach wie vor Einblick in das Surfverhalten der Nutzer. Das gilt auch, wenn man beispielsweise über das Netzwerk des Arbeitgebers online ist. Getreu dem Sprichwort: Big Brother is watching you!

Übrigens: vor Schadsoftware schützt der private Modus natürlich nicht – auch wenn im Internet manchmal das Gegenteil behauptet wird.

Außerdem wird die IP-Adresse nicht vor den Webseitenbetreibern versteckt. Und über die IP-Adresse lassen sich unter anderem Rückschlüsse auf den Wohnort der Nutzer ziehen. Spätestens bei dem Login auf einer Webseite ist der Inkognito-Modus dann vollends an seiner Grenze angelangt. Sobald man auf einer Webseite eingeloggt ist, ganz egal ob einfache Videoplattform oder Online-Shop, können die Betreiber wieder recht deutlich nachverfolgen, was man gesucht oder angeklickt hat.


Symbolbild der Anonymität eines Inkognito-Tabs. Ganz nett, aber nicht schwer zu durchschauen.
Photo by Braydon Anderson on Unsplash

Kann man privat surfen?

Möchte man möglichst anonym im Internet unterwegs sein, ist der Inkognito-Modus also nicht die beste Wahl. Stattdessen sollte man eher einen VPN-Dienst benutzen. VPN ist die Abkürzung für ein Virtual Private Network. Dabei läuft der gesamte Datenverkehr zwischen Gerät und VPN-Anbieter in einer Art Tunnel – verschlüsselt und somit von unerwünschten Blicken Dritter geschützt. Der VPN-Server gibt die Anfrage schließlich an die jeweilige Webseite weiter. Ein VPN ermöglicht es somit im Internet zu surfen, ohne dass die eigene IP-Adresse bekannt wird.

Theoretisch lässt sich somit auch Geo-Blocking umgehen. Sollte eine Webseite beispielsweise nur für Besucher aus Kanada aufgerufen werden können, kann man sich einfach mit einem VPN-Server aus Kanada verbinden und schon gibt es keine Probleme mehr. Viele Plattformen weisen allerdings in ihren AGB daraufhin, dass das Austricksen der Regionalsperre zum Ausschluss führen kann.

Da der VPN-Anbieter als Zwischenstelle fungiert, sollte man sich auch für einen möglichst vertrauenswürdigen VPN-Anbieter entscheiden. Ansonsten könnte es passieren, dass Logfiles gespeichert und weitergegeben werden. Ausführliche VPN-Vergleiche findet man zu Genüge im Netz.

Eine Alternative wäre die Nutzung des Tor-Browsers. Der Browser leitet den Datenverkehr nicht direkt zur Webseite, sondern zunächst verschlüsselt über mehrere Knoten innerhalb des Netzwerks. Die einzelnen Knotenpunkte sind weltweit verteilt. So lässt sich im Endeffekt nicht mehr nachvollziehen, von wo die eigentliche Anfrage überhaupt kam. Da die Daten jedoch nicht mehr den kürzesten Weg nehmen können, um zum Ziel zu gelangen, leidet die Geschwindigkeit etwas unter dem Vorgehen.

Fazit: Der private Modus des Browsers eignet sich bestens, wenn man sich ein Gerät mit mehreren Personen teilt und keine Hinweise auf das eigene Surfverhalten hinterlassen möchte. Wirklich anonym kann man im Internet aber nur mithilfe eines VPNs oder des Tor-Browsers surfen.

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