BKA feiert Erfolg: Geknackte Encrochat-Nachrichten führen zu 750 Verhaftungen

Das Bundeskriminalamt konnte das verschlüsselte Chatsystem Encrochat knacken und einen großen Sieg gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität erringen. Einer ersten Zwischenbilanz zufolge wurden von den Behörden tonnenweise Drogen, Waffen und Geldbeträge in Millionenhöhe sichergestellt.


Bild: Unsplash

Seit März 2020 ermittelten die Behörden bereits gegen die Nutzer von kryptierten Mobiltelefonen des Providers Encrochat. Wie nun bekannt wurde, kam es bislang zu rund 2250 Ermittlungsverfahren und mehr als 750 vollstreckten Haftbefehlen. Das BKA spricht von einem „nachhaltigen Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität“. Zuvor wurden die verschlüsselten Handys schon von französischen und niederländischen Ermittlern sowie Europol und Eurojust überwacht.

Das Encrochat-Netzwerk wurde europaweit genutzt. In der Regel von Kriminellen, die ihre Verbrechen über das verschlüsselte Chatsystem organisierten. So fanden die Behörden allerlei Hinweise zu schweren Straftaten wie Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung, Entführung und sogar Mord. In mehreren Ländern wurden Großrazzien durchgeführt, so auch in Deutschland.

EncroChat war ein in Europa ansässiger Dienstleistungsanbieter, der Ende-zu-Ende verschlüsselte Kommunikationsnetzwerke und passende Krypto-Handys anbot. Die Smartphones hatten kein GPS-Modul, keine Kamera und keine Mikrofone verbaut. Deshalb galten sie als besonders abhörsicher.

Die Razzien waren ein voller Erfolg. Insgesamt konnten fast 3,2 Tonnen Cannabis, 320 Kilogramm Kokain, 10 Kilogramm Kokain und über 125.000 Ecstasy-Tabletten sichergestellt werden. Hinzu kommen hunderte Schusswaffen, über 12.200 Schuss Munition, Vermögensarreste in Höhe von etwa 168 Millionen Euro sowie vorläufige Vermögenssicherungen von rund 28 Millionen Euro. Die Tatsache, dass jeder vierte Verdächtige bewaffnet war, unterstreicht die Gefahr.



„Die Auswertung der Encrochat-Daten ermöglichte den deutschen Strafverfolgungsbehörden einen tiefen Einblick in die Vorgehensweise und Zusammenarbeit von Tätergruppierungen der organisierten Rauschgiftkriminalität in Deutschland. Die bundesweiten Ermittlungen werden die Strukturen der Tätergruppierungen empfindlich schwächen“, heißt es in der Pressemitteilung des BKA. „Vor allem für die Rauschgift-Handelsdelikte und den Rauschgiftschmuggel haben die Informationen das Bild zur Situation in Deutschland vervollständigt. Von den Rauschgiftlieferanten über die Logistiker der Einfuhr und der Verteilung in Deutschland bis hin zu deren Abnehmern konnten wir mit einem Schlag alle Tatbeteiligten ausmachen.“

Quelle: BKA

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