Trotz großer Ambitionen: Chinesischer Chiphersteller HSMC ist pleite

Viele Milliarden Dollar sind in das Projekt geflossen. Und dennoch muss der chinesische Chiphersteller HSMC endgültig schließen. Die letzten Mitarbeiter des Unternehmens wurden per „WeChat“ zur Kündigung aufgerufen.


Photo by david latorre romero on Unsplash

Das „Wuhan Hongxin Semiconductor Manufacturing“ (HSMC) galt einst als chinesisches Vorzeigeprojekt. Ursprünglich sollte das Unternehmen eigene Chips im 14-Nanometer-Verfahren und ab 2021 auch im 7-Nanometer-Verfahren entwickeln. Planmäßig hätten bei voller Auslastung 50.000 Mitarbeiter in dem Unternehmen arbeiten und einen Jahresumsatz von 9,25 Milliarden US-Dollar generieren sollen. Dafür wurden von der chinesischen Regierung und lokalen Geldgebern rund 20 Milliarden US-Dollar in das Projekt investiert. Die Hoffnung, China könne endlich unabhängig von ausländischen Chipherstellern werden, war groß.

Doch die ambitionierten Pläne scheinen endgültig gescheitert zu sein. Nachdem im vergangenen Jahr bereits bekannt wurde, dass HSMC das Geld ausgeht, soll das Unternehmen nun vollständig geschlossen werden. Wie die South China Morning Post berichtet, seien die verbliebenen 240 Mitarbeiter über den in China weit verbreiteten Messenger „WeChat“ dazu aufgerufen worden, innerhalb von drei Tagen zu kündigen. Eine Abfindung soll es nicht geben. Die Coronavirus-Pandemie und der Handelskrieg mit den USA hätten dem Unternehmen den Rest gegeben.

HSMC hatte nie einen besonders guten Ruf in der Szene. Branchen-Insider sprachen immer wieder davon, dass die Entscheidungsträger nur wenig Fachwissen über die Halbleiterindustrie gehabt hätten und auch die Kommunikation zu Wünschen übrig ließe. Das Unternehmen sei letztlich nicht in der Lage gewesen, die immer komplexer werdenden Fertigungsprozesse zu meistern. China wird vorerst also weiter auf Chips von TSMC (Taiwan), Samsung (Korea) und Intel (USA) zurückgreifen müssen. Auch, weil mit SMIC ein weiterer chinesischer Hoffnungsträger bislang noch hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Via: South China Morning Post

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