Epic Games: Mitarbeiter beklagen sich über harte Arbeitsbedingungen

Vom Erfolg überfordert: Fortnite gehört zweifelsohne zu den großen Gewinnern des vergangenen Jahres. Kein anderes Spiel schaffte es, einen derartigen Hype zu kreieren. Die Entwickler profitieren aber nicht unbedingt von der Situation.


Epic Games verbucht dank Fortnite Umsätze in Milliardenhöhe. Um die zahlungsfreudigen Spieler über einen längeren Zeitraum bei Laune halten zu können, muss das Spiel aber immer aktuell gehalten werden: Neue Skins, neue Waffen, neue Missionen, neue Orte etc. – die Entwickler haben einiges zu tun. Das macht sich auch in der Arbeitszeit bemerkbar. Laut einigen Angestellten gehören regelmäßige Überstunden fest zur Tagesordnung.

„Niemand wird zu Überstunden gezwungen“

Polygon hat einen Bericht veröffentlicht, indem sich einige Mitarbeiter über die Arbeitsbedingungen bei Epic Games auslassen. Dabei wird ein klares Bild des Studios gezeichnet: 70-Stunden-Wochen gehören für viele fest zum Alltag. Manche Mitarbeiter arbeiten sogar 100 Stunden pro Woche. Zum Vergleich: Eine Woche hat insgesamt 168 Stunden. Wie viel Freizeit dann noch übrig bleibt, lässt sich also recht einfach ableiten.

Zwar würde niemand zu diesen Überstunden gezwungen werden, doch faktisch ließen sie sich auch nicht vermeiden. „Wenn ich mir freinehme, fällt meine Arbeit auf andere Leute – und niemand möchte dieser Typ sein“, wird ein Mitarbeiter zitiert. Denn Fortnite ist ein Paradebeispiel eines Service-Games, welches stetig weiterentwickelt werden muss um interessant zu bleiben und dementsprechend niemals „fertig“ ist.

Auch Mitarbeiter im Kundenservice seien von der Problematik betroffen. Die Anzahl der täglichen Tickets lag Anfangs bei 20 bis 40 Stück. Mittlerweile seien es schon 3.000 Anfragen pro Tag.

„Holt einfach mehr Körper“

Mit dem Erfolg des Studios habe sich die Mitarbeiteranzahl zwar verdreifacht, die geforderte Arbeit sei aber noch weiter angewachsen. Aus diesem Grund setzen die Verantwortlichen vermehrt auf befristete Mitarbeiter, mit einer Laufzeit zwischen sechs und zwölf Monaten. Nur wer regelmäßig Überstunden leiste, habe eine Chance auf eine Übernahme. „Sie haben die Arbeiter in eine Situation gebracht, in der sie wussten, dass sie ohne Überstunden nicht zurückkommen würden. Ein langjähriger Mitarbeiter sagte: „Holt einfach mehr Körper“ So wurden die befristeten Mitarbeiter genannt: Körper. Und wenn wir mit ihnen fertig sind, können wir sie einfach entsorgen.“

Die Verantwortlichen bei Epic Games reagierten bereits auf die Kritik und versicherten, dass solche Extrembeispiele zwar vorkommen könnten, aber nicht die Regel darstellen. Im Durchschnitt würden die Mitarbeiter etwa fünf Überstunden pro Woche leisten. Und die Arbeitszeit würde auch durch hohe Gehälter entlohnt werden.

Letzteres deckt sich auch mit den Aussagen der Mitarbeiter. Auch sie sprechen von guten Gehältern und einem attraktiven Bonus-System. Allerdings gäbe es auch hier einen faden Beigeschmack: „Du verdienst mehr Geld als viele andere Leute in ihren Karrieren anderswo jemals verdienen werden. Deine Zeit ist gekauft und abgerechnet, sei leise, zieh den Kopf ein und kümmer dich um dein Zeug. Den meisten Mitarbeitern macht der Crunch nichts aus, wenn sie dafür ihr dreifaches Gehalt als Bonus erhalten. Viele Leute gehen. Sie kommen und denken sich: „Ich bleibe für vier Bonus-Checks und dann bin ich raus.“

Via: Polygon ; Gamestar

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