Die ultimative Gaming-Plattform? Wie sich AMD in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat

Mit der kontinuierlichen Veröffentlichung neuer Prozessoren und Grafikkarten hat AMD den Hardware-Markt in den vergangenen Jahren und besonders in den letzten Monaten gehörig auf den Kopf gestellt. Zahlreiche Verbesserungen und nützliche Features haben dazu geführt, dass sich AMDs Hardware-Segment langsam aber sicher zu einer hervorragenden Plattform für Gamer entwickelt hat und sowohl die Konkurrenz von Intel im Prozessormarkt, als auch Nvidia im Bereich der Grafikchips ernsthaft herausfordert.


Bild: AMD

Ryzen 5000: CPUs für alle Einsatzzwecke

Den Anfang machte die neue CPU-Generation. Als AMD die Ryzen-5000-Prozessoren im November veröffentlichte, war schnell klar, dass es sich um ein deutliches Upgrade im Vergleich zu den Vorgängern handelt. Die verwendete Zen-3-Architektur bietet eine höhere Single-Core-Leistung und im Schnitt etwa eine 19 Prozent stärkere Performance pro Takt. Und das, ohne die TDP dafür anheben zu müssen. Der verdoppelte und in Cluster zusammengefasste L3-Cache, von AMD auch Game Cache genannt, lässt die Speicher-Latenz spürbar sinken, was in einigen Spielen ebenfalls zu einer besseren Performance führen kann.

Hinzu kommt die automatische Übertaktungs-Technik Precision Boost 2, welche den PC mithilfe einiger Sensoren überwacht und die Taktraten der CPU intelligent anhebt, um weitere Performancesteigerungen zu ermöglichen. Je höher die Temperatur- und Energiereserven des Systems ausfallen, desto größer ist das Potential der Technik.



Wer lieber selbst Hand anlegen möchte, der kann auf die Precision Boost Overdrive Software zurückgreifen. Die Software erlaubt es den Nutzern die Spannung des Prozessors manuell anzupassen, um damit beispielsweise Energie einzusparen oder noch mehr Leistung erhalten zu können. Ein Kurven-Optimierer mit 30 Abstufungen ermöglicht eine unkomplizierte Handhabung.

Radeon RX 6000: High-End-Grafikkarten

Weiter ging es dann, ebenfalls im November 2020, mit der Veröffentlichung der Radeon RX 6000 Reihe. Die Grafikkarten basieren auf der brandneuen RDNA-2-Architektur und mischen nun wieder im High-End-Segment mit. Im Vergleich zur Vorgängergeneration konnte AMD die Leistung pro Watt um bis zu 54 Prozent anheben, was unter anderem an der Einführung des Infinity Cache liegt. Der große GDDR6-Videospeicher verfügt über ein 256 Bit breites Interface, welches durch einen zusätzlichen 128 MByte großen Puffer ergänzt wird. Dieser Puffer hat extrem hohe Bandbreiten und soll die Daten für die GPU lokal zwischenspeichern, was im Endeffekt für eine gesteigerte Spieleleistung sorgt.



Ebenfalls neu ist die Integration dedizierter Raytracing-Einheiten, auch Ray Accelerator genannt, welche die Schnittstellen zwischen Hard- und Software bearbeiten. Gemeinsam mit dem DirectX Raytracing (DXR) sorgt das in Spielen für fotorealistische Beleuchtungseffekte in Echtzeit. Selten wirkten Reflexionen und Schatten derart realistisch.

Die Unterstützung von DirectX 12 Ultimate bringt darüber hinaus noch weitere Vorteile mit sich. Da wäre zum Beispiel Variable Rate Shading. Die Technik erkennt automatisch, welche Bildausschnitte im Blickfeld des Spielers liegen und rendert diese mit einer höheren Priorisierung. „Maximale Qualität bei minimalem Leistungsaufwand“ lautet das Motto. Das trifft auch auf die sogenannten Mesh Shader zu. Objekte, welche nicht im Blickfeld des Spielers landen, werden bestenfalls erst gar nicht gerendert, was die Grafikkarte weiter entlastet. Hinzu kommt ein Feature namens Sampler Feedback, welches dafür sorgt, dass Bildausschnitte, die der Spieler in diesem Moment sieht, besonders hochauflösend dargestellt werden.



Damit Spieleentwickler all diese Features in ihren Werken implementieren können, bietet AMD das Open-Source-Toolkit FidelityFX an. Das darin enthaltene Funktions-Paket ist bestens auf RDNA 2 optimiert und kann ohne großen Aufwand von den Entwicklern umgesetzt werden. Sie erhalten unter anderem Zugriff auf eine kontrastadaptive Schärfung, eine dynamische Umgebungsverdeckung und hochwertige Reflexionen. Zudem erleichtert es das Arbeiten mit HDR- und Raytracing-Inhalten.

Zusammenspiel zwischen CPU & GPU

Eine der spannendsten Neuerungen ist der sogenannte Smart Access Memory, welcher dafür sorgt, dass die neuen Prozessoren und Grafikkarten Hand in Hand arbeiten, um gemeinsam eine noch bessere Performance zu gewährleisten.

Wer als Spieler auf eine CPU der Zen-3-Generation und eine GPU mit RDNA-2-Architektur setzt, profitiert von einer Leistungssteigerung von bis zu 11 Prozent. Die Prozessoren können nämlich auf den vollen Videospeicher der Grafikkarten zugreifen und die komplette Bandbreite der schnellen PCI-Express-Anbindung nutzen. Engpässe, wie sie in konventionellen System zu finden sind, lassen sich somit beseitigen.

Um den Smart Access Memory nutzen zu können, wird ein Mainboard mit AMDs 500er-Chipsatz benötigt. Eine große Auswahl findet ihr bei ALTERNATE!

Die neue Schnittstelle PCI Express 4.0 feierte ebenfalls auf AMD-Plattformen ihr Debüt. Sie zeichnet sich durch wesentlich höhere Datenübertragungsraten aus und ermöglicht es bei knapp werdendem Grafikspeicher auf andere Systemspeicher, beispielsweise dem RAM, zurückzugreifen, ohne dabei starke Geschwindigkeitseinbußen in Kauf nehmen zu müssen.

FreeSync, Anti-Lag & Co.

Auch abseits der typischen Hardware-Sparte hat AMD einige Gaming-bezogene Highlights im Angebot. Das prominenteste Beispiel ist wohl die FreeSync-Technologie, die schon seit einigen Jahren in verschiedensten Monitoren, Notebooks und Fernsehern zum Einsatz kommt. Bei FreeSync handelt es sich um eine Synchronisation zwischen Grafikeinheit und Bildschirm. Sollte eine Grafikkarte deutlich mehr Bilder erzeugen als der Bildschirm in der Lage ist darzustellen, kann es zu unschönen Bildfehlern kommen. Das lässt sich mit einer solchen Synchronisation verhindern. Mittlerweile wird FreeSync in drei verschiedenen Abstufungen angeboten. Mit FreeSync Premium und FreeSync Premium Pro ist man bestens für hohe Bildwiederholraten und HDR-Inhalte gewappnet.



An der Software hat sich ebenfalls einiges getan. Die Radeon-Treiber verfügen über eine Anti-Lag-Funktion, welche die Eingabeverzögerung zwischen Tastendruck und Aktion spürbar verringert. Laut AMD lassen sich mit Radeon Anti-Lag bis zu 31 Prozent geringere Verzögerungen realisieren.

Radeon Boost hingegen schraubt an der Render-Auflösung eines Spiels. Ist das Bild ruhig, da der Spieler in dem Moment nur herumsteht, wird ein besonders hochauflösendes Bild gerendert. Kommt es dann plötzlich zu schnellen Bewegungen, verringert sich diese Auflösung automatisch, was im Gegenzug zu höheren Bildraten führt.

Zu guter Letzt wäre da noch das Radeon Image Sharpening zu nennen. Dieses Feature kombiniert eine kontrastabhängige Schärfung des Bildes mit einer optionalen Hochskalierung durch die Grafikkarte. Das hat schärfere und detailreichere Darstellungen der angezeigten Inhalte zur Folge.

Fazit: Gamer profitieren von AMD

Wie wir sehen, hat sich in den vergangenen Monaten und Jahren viel verändert. Zusätzlich zu den offensichtlichen Punkten – neue Grafikkarten & Prozessoren mit stärkerer Performance – gibt es mittlerweile diverse Funktionen, von denen man als Spieler meist kaum etwas mitbekommt.

Und dennoch sorgen all diese kleinen Stellschrauben dafür, dass die Spiele letztlich flüssiger laufen und zugleich schöner aussehen. Besonders interessant ist die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Komponenten, wie es beim Smart Access Memory der Fall ist.

Auch Konsolen-Spieler profitieren enorm von AMDs Fortschritten. Die leistungsstarke RDNA-2-Architektur kommt nämlich auch in den Next-Gen-Konsolen PlayStation 5 und Xbox Series X|S zum Einsatz. Dadurch liegen die Konsolen technisch auf dem Niveau eines starken Gaming-PCs: Hohe Auflösungen, hohe Bildraten und sogar schicke Raytracing-Effekte sind mittlerweile auch mit günstigen Spielekonsolen möglich. Hinzu kommen deutlich kürzere Ladezeiten dank der gebotenen PCI Express 4.0-Unterstützung und bessere Twitch-Streams dank spezieller 4K-Kodierung und 8K-Dekodierung. Eine Entwicklung, die man als Spieler nur guthießen kann. Wir dürfen gespannt sein, welche Verbesserungen die Zukunft noch mit sich bringt.

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