ChatGPT steht bei vielen Fragen rund um die Uhr zur Verfügung und ist für einige Nutzer wohl nicht mehr wegzudenken. Dabei werden allerdings auch immer wieder sensible Informationen geteilt. Ein neues kostenloses Tool soll jetzt zeigen, was sich aus den KI-Chats herauslesen lässt und welchen Wert diese Daten haben könnten. Alle Infos dazu findest du hier.

Was verraten deine Chats über dich?
KI-Chatbots werden längst nicht mehr nur für Wissensfragen genutzt, sondern kommen auch bei vielen Fragen im Alltag zum Einsatz. User sprechen mit ihnen über ihre Hobbys, die Arbeit oder sogar gesundheitliche Fragen. Dabei kommen schnell jede Menge persönliche Informationen zusammen. Laut einer Bitkom-Umfrage haben rund 43 Prozent der Befragten Bedenken, dass ihre Daten bei KI-Anbietern nicht sicher aufgehoben sind.
Genau hier setzt das Schweizer Unternehmen Proton an und hat mit AI Paper Trail ein kostenloses Online-Tool veröffentlicht. Dieses soll sichtbar machen, welche persönlichen Informationen sich aus den eigenen KI-Chats herauslesen oder ableiten lassen. Aktuell unterstützt das Tool ChatGPT und Claude. Dabei muss nicht unbedingt eine einzelne Unterhaltung viel über dich verraten. Vielmehr können sich zahlreiche kleine Informationen mit der Zeit zu einem immer genaueren Gesamtbild zusammensetzen.
So funktioniert AI Paper Trail
Bevor das Tool mit der Analyse starten kann, müssen zunächst die eigenen Daten bei ChatGPT oder Claude exportiert werden. Das ist nicht sonderlich kompliziert und funktioniert wie folgt:
ChatGPT
Profil > Einstellungen > Datenkontrolle/Datenkontrollen > Daten exportieren > Export bestätigen
Claude
Profil > Einstellungen > Datenschutz > Daten exportieren > Export bestätigen
Zu beachten ist allerdings, dass die Daten nicht direkt zum Download bereitstehen. Vor allem bei ChatGPT kann es mehrere Stunden oder sogar Tage dauern, bis der Export verfügbar ist. Für Business- und Enterprise-Kunden steht die Exportfunktion laut Quelle nicht zur Verfügung.
Sobald die Daten bereitstehen, erhältst du eine E-Mail mit dem entsprechenden Download-Link. Anschließend können die ZIP- beziehungsweise JSON-Dateien bei AI Paper Trail hochgeladen werden. Ein Test von t3n zeigt allerdings eine Einschränkung. Besteht der Export aus mehreren Dateien, kann das Tool diese wohl diese nicht alle in einem einzigen Durchlauf analysieren. Je nachdem, welche Datei für die Analyse ausgewählt wird, können die Ergebnisse daher voneinander abweichen.
Sind die Daten erst einmal hochgeladen, zeigt AI Paper Trail, welche Spuren du in deinen bisherigen KI-Chats hinterlassen hast. Dafür erstellt das Tool eine persönliche Auswertung mit verschiedenen Werten. Dazu gehört unter anderem ein Privacy-Exposure-Score von bis zu 100 Punkten. Außerdem wird geschätzt, welchen Wert die erkannten Informationen für einen KI-Anbieter haben könnten.
So viel können deine KI-Chats verraten
Wie viel AI Paper Trail tatsächlich aus deinen Chats herauslesen kann, hängt stark davon ab, wie du die KI nutzt. Bei einem Selbsttest von t3n fiel das Ergebnis zunächst eher unauffällig aus. Der Privacy-Exposure-Score lag bei 31 von 100 Punkten, den möglichen Wert der Daten schätzte Proton auf 15 US-Dollar. Vor allem bei den Interessen konnte das Tool einige Informationen erkennen. Allerdings lag die Analyse dabei nicht immer richtig, denn nur weil du häufig über ein bestimmtes Thema sprichst, muss es noch lange kein wichtiges Hobby sein.
Anders sah es bei einem Account aus, der intensiv für ein Halbmarathon-Projekt genutzt wurde. Hier erkannte das Tool unter anderem Informationen zur Ernährung und Regeneration. Darüber hinaus ließen sich weitere Rückschlüsse auf persönliche Ziele, recherchiertes Equipment und Termine für Laufevents ziehen. Auch bei einem weiteren Test mit Claude konnte das Tool einiges herauslesen, darunter Informationen zum Beruf, sozialen Umfeld und zur finanziellen Situation.
Das zeigt, dass nicht unbedingt ein einzelner Chat besonders viel über dich verrät. Vielmehr sind es die vielen kleinen Informationen aus verschiedenen Unterhaltungen, die sich mit der Zeit zu einem immer genaueren Bild zusammensetzen können.
Welche Daten besser nicht im KI-Chat landen sollten
Ein paar Dinge sollten lieber nicht in einem KI-Chat landen. Dazu gehören unter anderem Passwörter, Bankdaten, Adressen, Infos über deine Gesundheit oder vertrauliche Informationen aus dem Job. Daher lohnt es sich, vor dem Abschicken noch einmal zu überlegen, ob diese persönlichen Angaben für den jeweiligen Prompt wirklich notwendig sind. Außerdem kann es nicht schaden, die Datenschutzeinstellungen der KI-Chatbots einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und nicht mehr benötigte Chats zu löschen.
Fazit
AI Paper Trail zeigt auf jeden Fall ganz gut, wie viele Informationen sich über die Zeit in deinen KI-Chats ansammeln können. Dabei muss es gar nicht der eine Chat sein, in dem du besonders viel von dir preisgibst. Oft sind es viele kleine Details, die zusammengenommen ein ziemlich genaues Bild ergeben können. Etwas Geduld musst du für den Check allerdings mitbringen, denn gerade der Datenexport bei ChatGPT kann mehrere Stunden oder sogar Tage dauern.
Ganz uneigennützig stellt Proton AI Paper Trail allerdings nicht zur Verfügung. Mit Lumo hat das Schweizer Unternehmen selbst einen KI-Chatbot auf den Markt gebracht, der als besonders datenschutzfreundliche Alternative gelten soll. Nach eigenen Angaben werden die Unterhaltungen nicht für das Training der KI verwendet.
Wie sieht es bei dir aus? Würdest du das kostenlose Tool trotz des etwas aufwendigen Datenexports nutzen, um herauszufinden, was deine bisherigen Chats über dich verraten? Schreib uns deine Meinung gerne in die Kommentare!
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Quelle: BASIC thinking/t3n

