Viertagewoche in Island: Arbeitszeit sinkt, Produktivität steigt

Ist die 40-Stunden-Woche noch zeitgemäß? In der Vergangenheit kamen immer wieder Zweifel auf, ob es nicht doch ein besseres Arbeitsmodell geben könnte. In Island hat man großangelegte Tests durchgeführt und die Arbeitszeit verkürzt. Die Ergebnisse sind durchweg positiv.


Photo by Mario Gogh on Unsplash

Mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 47 Jahren landet Island in den Arbeitszeitstatistiken der Industrieländerorganisation OECD stets auf den vorderen Plätzen. In kaum einem anderen Land in Europa ist das Erwerbsleben länger. Das bringt natürlich einige Nachteile mit sich: eine stetig steigende Anzahl an Burn-out-Patienten und Arbeitnehmer, die sich über zu wenig Zeit für Freizeit und Familie beklagen.

Aus diesem Grund hat man sich in Island dazu entschieden, zwei Feldversuche auf die Beine zu stellen, um zu überprüfen, ob man die Arbeitszeit nicht einfach verringern könnte. Der erste Test begann 2015, der zweite 2017. Insgesamt nahmen 2.900 Beschäftigte daran Teil. Klingt nach wenig, sind in Relation zur gesamten arbeitenden Bevölkerung des Inselstaats aber mehr als ein Prozent. Die Wochenarbeitszeit wurde von 40 auf 35 Wochenstunden verringert – bei gleichem Gehalt.

Ergebnisse zu gut, um wahr zu sein?

Die ersten Resultate der Tests sind nun bekannt. Wenig überraschend gehen die Arbeitnehmer mit einem positiven Gefühl aus dem Versuch. Sie erfreuen sich über eine bessere Work-Life-Balance und fühlen sich insgesamt weniger gestresst. Die Burn-Out-Gefahr sank deutlich.

Doch auch die Arbeitgeber profitierten von der Umstellung. Die Produktivität blieb nämlich in allen Fällen mindestens gleich gut. Oftmals verbesserte sie sich sogar. Man verkürzte nicht nur die Arbeitsstunden, sondern überarbeitete auch den Arbeitsalltag. So wurden beispielsweise unnötige Meetings (davon dürfte es wohl in jedem Unternehmen genügend geben) in einer kürzeren Zeit abgehalten oder direkt gestrichen.

Die Initiatoren der Studien sprechen von einem „überwältigenden Erfolg“ . Doch hundertprozentig belastbar sind die Ergebnisse nicht. Zum einen bleibt es fraglich, ob sich Erkenntnisse auch einfach so auf andere Nationen übertragen lassen, in denen die Wirtschaftsstrukturen etwas komplexer sind. Zum anderen war den Arbeitnehmern stets bewusst, dass sie Teil eines Experiments waren. Da ist es nur logisch, dass sie auch eine gute Leistung erbringen – immerhin profitieren sie aller Voraussicht nach am meisten von einem positiven Ergebnis.

Nichtsdestotrotz sollten die Studien auch andere Unternehmen darüber nachdenken lassen, ob es nicht vielleicht an der Zeit wäre, sich von der 40-Stunde-Woche zu verabschieden. Immerhin kamen auch andere Studien in der Vergangenheit schon zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Es zeichnet sich immer stärker eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ab.

Via: BBC

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