Was einst nur eine geografische Kennung war, ist heute ein begehrtes digitales Gut. Die hohe Nachfrage nach .ai-Domains macht die Karibikinsel Anguilla überraschend zum Profiteur des weltweiten KI-Booms.


Quelle: KI-generiert über Sora

Unverhoffter Reichtum – was für viele ein Traum ist, wurde für Anguilla zur Realität. Allerdings nicht durch Gold, Tourismus oder Öl, sondern durch eine unscheinbare Internet-Endung: .ai. Anfang 2024 wurde bekannt, dass der Hype um künstliche Intelligenz dem britischen Überseegebiet mit nur etwa 16.000 Einwohnern einen überraschenden wirtschaftlichen Aufschwung gebracht hat.

.ai-Domains: Vom Kürzel zum lukrativen Gut

Die Abkürzung „AI“ steht weltweit für Artificial Intelligence, also künstliche Intelligenz (KI) und genau das macht die Domain-Endung so attraktiv. Technologieunternehmen und Start-ups rund um den Globus sichern sich .ai-Domains, um ihre Nähe zum KI-Trend zu zeigen. Für jede registrierte Adresse fließen dabei jährlich Gebühren nach Anguilla, die je nach Nachfrage und Auktionen bei rund 140 US-Dollar beginnen und bis in den vierstelligen Bereich steigen können.

Da viele Domains nur für kurze Laufzeiten von zwei Jahren vergeben werden, steigt ihr Marktwert zusätzlich. Einzelne Adressen wechselten zuletzt sogar für sechsstellige Summen den Besitzer. Mittlerweile hat Anguilla einen neuen Meilenstein erreicht: Die Zahl der registrierten .ai-Domains hat die inzwischen die Millionenmarke überschritten. Zuletzt lag die Wachstumsrate bei rund einem Prozent pro Woche.

Was Anguilla mit den .ai-Millionen macht

Die Einnahmen aus dem Domain-Geschäft haben die Insel in den Kleinen Antillen spürbar vorangebracht. So konnten Infrastrukturprojekte wie Straßensanierungen und der Ausbau des Flughafens realisiert werden. Auch im sozialen Bereich gab es Verbesserungen, etwa durch die Einführung einer kostenlosen Krankenversicherung für Kleinkinder. Um die Gewinne aus dem .ai-Boom auch langfristig zu sichern, plant die Regierung nun den Aufbau eines Staatsfonds, der die Einnahmen gezielt für die Zukunft anlegen soll.  

Bis einschließlich November letzten Jahres nahm die Karibikinsel rund 59 Millionen Euro durch .ai-Domains ein – fast doppelt so viel wie im Vorjahr mit etwa 32 Millionen und mehr als dreimal so viel wie 2023. Vor dem weltweiten der KI-Hype fristete die Domain-Endung weitgehend ein Schattendasein. Selbst lokale Nachrichtenseiten griffen kaum darauf zurück.

Wie Inselstaaten von Domains profitieren

Anguilla ist dabei kein Einzelfall. Auch andere Länder profitieren unerwartet von ihren Internet-Endungen. Tuvalu etwa erzielte mit der .tv-Domain Einnahmen in Höhe von rund zehn Prozent seines Bruttoinlandsprodukts. Die .fm-Endung von Mikronesien ist weltweit bei Radiosendern und Podcastern gefragt, während Tongas .to-Domain vor allem bei Torrent- und Streaming-Seiten genutzt wird. Tokelau hingegen geriet mit seiner .tk-Domain wiederholt in die Schlagzeilen, weil diese häufig für betrügerische Zwecke missbraucht wird.

Das Beispiel der Domain-Endungen zeigt eindrucksvoll, wie stark digitale Trends reale Volkswirtschaften beeinflussen können. Was einst ein rein technisches Detail war, hat sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt. Besonders für kleine Inselstaaten eröffnen sich dadurch neue wirtschaftliche Perspektiven und mit ihnen die Chance, langfristig in ihre eigene Zukunft investieren zu können.

Quelle: Heise

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