FaceApp: Vom Gag zum „Risiko für die nationale Sicherheit“

Es gibt diese Trends im Internet, an denen man einfach nicht vorbeikommt – so wie die Smartphone App „FaceApp“. Seit Tagen werden die sozialen Medien mit Bildern von Menschen überschwemmt, die ihr Gesicht mithilfe der künstlichen Intelligenz altern lassen. Alle machen das: Rapper Drake genauso wie Ute, die alleinerziehende Mutter aus Berlin-Kreuzberg. Selbst im US-Senat ist die beliebte App bereits angekommen. Dort spricht man allerdings von einem „Risiko für die nationale Sicherheit und die Privatsphäre von Millionen US-Bürgern“.


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When you take a trip to the Year 3000.

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Der obige Satz stammt von Chuck Schumer, dem Topdemokrat im US-Senat. Weiter heißt es: „Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen, persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen, ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyber-Angriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist“. Kurze Aufklärung an dieser Stelle: die Rede ist von Russland. Denn FaceApp wurde vom Unternehmen Wireless Lab entwickelt, das in Sankt Petersburg ansässig ist und von Yaroslav Groncharov geführt wird, welcher zuvor für die russische Suchmaschine Yandex arbeitete. Aber wie kam es zu dieser plötzlichen, politischen Eskalation?

FaceApp: Der Datensammler auf dem Smartphone

Wer die App auf seinem Smartphone nutzt, stimmt natürlich auch der Datenschutzerklärung und den AGB zu. Und genau dort räumt sich die Anwendung weitreichende Rechte ein. Die Bilder werden nämlich nicht auf dem Smartphone selbst bearbeitet, sondern auf den bereitgestellten Servern, wo sie anschließend auch gespeichert werden. Selbst wenn die Fotos auf dem Smartphone gelöscht werden, dürfen sie laut den AGB weiterhin auf den Servern bestehen bleiben. Darüber hinaus werden noch weitere Daten erhoben, wie beispielsweise die IP-Adresse oder das Nutzungsverhalten. Daten, die laut AGB natürlich an Serviceanbieter und Werbepartner weitergegeben werden dürfen. Kein Wunder also, dass die App derzeit auch von diversen Datenschutz- und Sicherheitsexperten kritisiert wird.

In der Zwischenzeit hat sich der FaceApp-Chef bereits zu einigen dieser Kritikpunkte geäußert. Demnach würden die Daten nicht auf russischen Servern, sondern auf Servern von Amazon und Google gespeichert werden. Außerdem würden „die meisten Bilder“ nach 48 Stunden automatisch gelöscht. Zudem sei das Unternehmen nicht daran interessiert, die sensiblen Daten ihrer Nutzer an Dritte weiterzuverkaufen. Bleibt nur die Frage, warum man sich diese Rechte dann überhaupt einräumt, wenn man doch gar nicht von ihnen Gebrauch machen möchte…

Letztlich bleibt es allen selbst überlassen, ob sie ihre Daten gegen ein paar lustige Bilder eintauschen möchten oder nicht. Empfehlen würden wir die App nicht unbedingt, auch wenn die Bilder tatsächlich ganz unterhaltsam sind. Von einer nationalen Gefahr zu sprechen halten wir jedoch auch für ein wenig zu übertrieben. In Zeiten von Facebook, Google & Co. ist es ohnehin ziemlich naiv zu glauben, dass sich der Durchschnittnutzer noch vollkommen anonym durch das Netz bewegen würde.

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