Der chinesische Online-Marktplatz AliExpress muss eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro zahlen. Die EU-Kommission wirft der Plattform mehrere Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) vor.

Die AliExpress-App auf einem Smartphone, im Hintergrund liegen mehrere Kreditkarten auf einem Schreibtisch.
Bild: CardMapr auf Unsplash

Darum muss AliExpress zahlen

Die Online-Plattform AliExpress hat gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen und muss deshalb eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro zahlen. Der DSA ist ein EU-Gesetz, das festlegt, welche Pflichten große Online-Plattformen und andere digitale Dienste erfüllen müssen. Die EU untersucht den Marktplatz bereits seit März 2024, nun ist das Verfahren abgeschlossen. Für die EU ist es das dritte Bußgeld nach den DSA-Regeln. Zuvor mussten bereits X und Temu Strafen hinnehmen.

Mit 550 Millionen Euro handelt es sich zwar um die höchste Geldstrafe, die bisher nach dem DSA verhängt wurde. Nach dem Gesetz wären jedoch Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich. Bezogen auf den Alibaba-Konzern hätte die Strafe damit theoretisch sogar bei mehr als sieben Milliarden Euro liegen können.

Diese Verstöße wirft die EU AliExpress vor

Nach Ansicht der EU hat AliExpress seine Kunden nicht ausreichend vor illegalen und gefährlichen Produkten geschützt. Dazu zählen unter anderem gefälschte Kleidung und Schuhe, unsicheres Kinderspielzeug sowie gefährliche Kosmetik. Immer wieder sollen außerdem Netzteile mit Stromschlaggefahr auf der Plattform angeboten worden sein. Außerdem stellt die EU infrage, wie einige dieser Produkte überhaupt mit einem CE-Zeichen verkauft werden konnten.

Besonders kritisch sieht die EU, dass zahlreiche dieser Angebote über Wochen online geblieben sein sollen. Trotz der bestehenden Kontrollmechanismen habe AliExpress nicht konsequent genug reagiert. Teilweise sollen problematische Produkte sogar weiterhin empfohlen oder beworben worden sein.

Bereits 2025 stellte AliExpress Maßnahmen vor, mit denen der Verkauf gefährlicher und illegaler Produkte stärker eingedämmt werden sollte. Aus Sicht der EU blieben diese Schritte jedoch hinter den Erwartungen zurück und konnten die bestehenden Probleme nicht ausreichend lösen.

Unzureichendes Kontrollsystem

Eigentlich setzt AliExpress auf automatische Kontrollen, um verbotene oder gefährliche Produkte möglichst früh zu erkennen. Nach Ansicht der EU hat das in der Praxis aber nicht ausgereicht. Trotz der vorhandenen Systeme konnten zahlreiche problematische Artikel weiterhin über den Marktplatz verkauft werden. Nach Ansicht der EU lag das unter anderem daran, dass die Plattform zu wenig Mitarbeitende für die manuelle Kontrolle eingesetzt hat. Stattdessen verließ sich AliExpress nach Auffassung der EU weitgehend auf automatisierte Prüfungen. Diese ließen sich jedoch vergleichsweise leicht umgehen. So konnten Händler ihre Angebote beispielsweise in andere Produktbereiche verschieben, wodurch sie von den Kontrollen seltener erfasst wurden.

Auch wenn problematische Produkte bereits aufgefallen waren, verschwanden sie offenbar nicht immer sofort aus dem Sortiment. Nach Einschätzung der EU fehlten außerdem wirksame Konsequenzen für Händler, die wiederholt gegen die Regeln verstießen. Kritik gibt es zudem beim Umgang mit Markenrechtsverletzungen, gegen die AliExpress laut EU nicht ausreichend vorgegangen sein soll.

Das kommt jetzt auf AliExpress zu

Die Rekordstrafe von 550 Millionen Euro hat die EU bereits gegen AliExpress verhängt. Zusätzlich hat die Plattform bis zum 20. Oktober 2026 Zeit, einen Maßnahmenplan vorzulegen. Darin soll AliExpress erklären, wie künftig besser gegen illegale Produkte vorgegangen werden soll. Ist die EU mit dem Plan zufrieden, setzt sie eine Frist für die Umsetzung. Werden die Vorgaben anschließend nicht erfüllt, können zusätzlich tägliche Geldstrafen verhängt werden.

AliExpress ist mit der Rekordstrafe allerdings kein Einzelfall. Bereits Ende Mai musste auch Temu wegen des Verkaufs illegaler Produkte 200 Millionen Euro zahlen. Gleichzeitig werden Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress in Europa immer beliebter. Das sorgt vor allem im deutschen Einzelhandel für Kritik. Auch die immer größere Paketflut aus dem Ausland beschäftigt die EU zunehmend und bringt den Zoll an seine Grenzen. Um dagegen vorzugehen, wurde seit diesem Monat eine neue Gebühr für Pakete unter 150 Euro eingeführt.


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Quelle: t3n/heise

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