Die EU hat eine App zur Altersverifikation im Internet vorgestellt. Sie soll vor allem Kinder und Jugendliche vor ungeeigneten Inhalten schützen. Warum das nötig ist und wie die App funktioniert, erfährst du hier.

Hand hält Smartphone, umgeben von schwebenden Social-Media-Icons wie Likes, Herzen und Benachrichtigungen von Instagram, TikTok und Facebook.
Bild: KI-generiert über Sora

Nachdem Australien bereits ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige beschlossen hat, wird auch in anderen Ländern intensiver über strengere Regeln diskutiert, auch techrush berichtete. Auf EU-Ebene geht man nun einen eigenen Weg: Statt auf Verbote zu setzen, verfolgt man eine technische Lösung. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat angekündigt, dass eine entsprechende App bereits fertig entwickelt ist, in mehreren EU-Staaten getestet wurde und schon bald veröffentlicht werden soll.

Hohe Suchtgefahr durch Social Media

Die Bildschirmzeiten steigen stetig und das endlose Scrollen scheint oft kein Ende zu nehmen. Vor allem personalisierte Inhalte sorgen dafür, dass Nutzer immer länger auf Plattformen bleiben und kaum noch abschalten. Genau hier setzt die Kritik der EU an: Viele Angebote sind gezielt darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Laut Henna Virkkunen, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für technische Souveränität, wird deshalb bereits gegen Plattformen wie TikTok, Facebook und Instagram vorgegangen. Der Vorwurf: bewusst suchterzeugendes Design.

Doch nicht nur klassische Social-Media-Plattformen stehen im Fokus. Auch Seiten mit pornografischen oder Glücksspielinhalten geraten zunehmend unter Druck, da verlässliche Alterskontrollen oft fehlen und Kinder so leichten Zugang zu für sie schädlichen Inhalten haben. Die Risiken sind dabei alles keineswegs nur theoretisch: Algorithmen können problematische Inhalte gezielt verstärken und so süchtiges Verhalten begünstigen, mit möglichen negativen Auswirkungen auf die Entwicklung junger Nutzer.

Hinzu kommen weitere Gefahren wie Cyber-Grooming, also die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen zu Kindern, um ihr Vertrauen zu gewinnen und sie auszunutzen. Auch Online-Mobbing ist weit verbreitet: Studien zufolge ist jedes sechste Kind betroffen. Zusammen genommen zeigt sich, dass fehlende Schutzmechanismen im Netz und auf Social Media-Plattformen reale und weitreichende Folgen haben. Entsprechend dringend ist der Handlungsbedarf.

So funktioniert die neue App

Die angekündigte App zur Altersverifikation soll auf allen gängigen Geräten laufen, egal ob Smartphone, Tablet oder PC. Die Einrichtung ist dabei relativ einfach: Nutzer identifizieren sich einmalig mit einem Ausweisdokument, etwa dem Personalausweis oder Reisepass. Das Prinzip erinnert an das digitale COVID-Zertifikat: Hat man sich erst einmal verifiziert, kann der Altersnachweis unkompliziert genutzt werden. Dabei soll die App höchsten Datenschutzstandards entsprechen.

Ein zentraler Punkt ist der Fokus auf Privatsphäre. Die App nutzt sogenannte Zero-Knowledge-Proofs. Das bedeutet:

  • Plattformen erfahren nur, ob jemand alt genug ist
  • Es werden keine persönlichen Daten weitergegeben
  • Nutzer bleiben anonym und werden nicht getrackt

Der Quellcode der App ist öffentlich auf GitHub einsehbar. Das soll Vertrauen schaffen und es Unternehmen erleichtern, die Lösung zu integrieren. Entwickelt wird die Anwendung im Rahmen der europäischen EUDI-Wallet.

Einige Länder wie Frankreich, Italien und Irland planen bereits, die App direkt in ihre digitalen Wallets zu integrieren. In Deutschland geht man zunächst vorsichtiger vor. Hier soll eine Expertenkommission zunächst konkrete Empfehlungen für den Kinder- und Jugendschutz im Netz ausarbeiten.

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung?

Die neue App bietet einerseits die Chance, Kinder und Jugendliche besser vor unangemessenen Inhalten zu schützen. Eine europaweite Integration könnte Risiken verringern und dem Suchtpotenzial entgegenwirken. Gleichzeitig wirkt die Lösung nutzerfreundlich und bleibt dabei anonym.

Gerade im Vergleich zu diskutierten pauschalen Handy- oder Social Media-Verboten für Kinder und Jugendliche zeigt sich ein möglicher Vorteil: Eine verlässliche Altersverifikation könnte solche Eingriffe teilweise überflüssig machen und gleichzeitig helfen, Datenschutzprobleme zu vermeiden, die beim Jugendschutz im Netz sonst häufig im Raum stehen. Ob die App den gewünschten Effekt erzielt, wird sich aber erst im Praxiseinsatz zeigen.


Was denkst du über die neue App zur Altersverifikation? Schreib uns deine Meinung gerne in die Kommentare.

Quelle: heise/WinFuture

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