Der Videospielhändler GameStop will eBay übernehmen und hat bereits ein konkretes Angebot vorgelegt. Was hinter dem möglichen Mega-Deal steckt und was bisher bekannt ist, erfährst du hier.

GameStop ist vor allem für gebrauchte Videospiele bekannt und deutlich kleiner als der E-Commerce-Gigant eBay. Trotzdem hat GameStop jetzt ein Übernahmeangebot in Milliardenhöhe vorgelegt. Sollte die eBay-Führung das Angebot ablehnen, will sich das Unternehmen direkt an die Aktionäre wenden. Das kündigte CEO Ryan Cohen am vergangenen Sonntag an. Sein Ziel nach einer möglichen Übernahme ist es, eBay zu einem ernsthaften Konkurrenten für Amazon zu machen.
Milliardenangebot und Übernahmepläne
Das Angebot von GameStop beläuft sich auf rund 56 Milliarden US-Dollar. Ein Blick auf die Zahlen zeigt schnell, wie ungewöhnlich dieser Deal ist. Laut Wall Street Journal liegt der Börsenwert von eBay bei rund 45 Milliarden US-Dollar, während GameStop selbst nur etwa 12 Milliarden wert ist. Laut Insidern bietet CEO Ryan Cohen etwa 125 US-Dollar pro eBay-Aktie, das entspricht einem Aufschlag von rund 20 Prozent auf den letzten Schlusskurs. Bekannt wurden die Pläne am vergangenen Wochenende durch einen Bericht des Wall Street Journal.
Entsprechend deutlich fiel die Reaktion an der Börse aus. Die eBay-Aktie legte nachbörslich zeitweise um bis zu 15 Prozent zu, auch GameStop verzeichnete zunächst Kursgewinne. Im weiteren Verlauf geriet die GameStop-Aktie jedoch unter Druck, da Zweifel an der Finanzierung und Umsetzung des Deals aufkamen. Zudem hat GameStop bereits mitgeteilt, etwa fünf Prozent der eBay-Aktien zu halten.
Finanzierung und Strategie
Finanziert werden soll die Übernahme durch eine Mischung aus Bargeld und Aktien. Laut Ryan Cohen gibt es bereits eine Zusage für einen Kredit in Höhe von rund 20 Milliarden US-Dollar. Der restliche Betrag könnte über eigene Aktien gedeckt werden, was allerdings zu einer starken Verwässerung führen würde. Wie genau die gesamte Summe aufgebracht werden soll, ist derzeit noch unklar. Laut Wall Street Journal könnten auch Staatsfonds aus dem Nahen Osten eine Rolle bei der Finanzierung spielen.
Cohen ist seit 2023 CEO von GameStop und hatte zuvor das Management kritisiert. Schritt für Schritt baute er seine Beteiligung am Unternehmen aus. Unter seiner Führung wurden mehrere Filialen geschlossen und der Fokus stärker auf Sammelkarten und Retro-Konsolen gelegt. Im Falle einer Übernahme soll auch seine eigene Vergütung an den Erfolg des fusionierten Unternehmens gekoppelt sein, ein klarer Fokus auf langfristige Performance.
eBay auf Wachstumskurs
Erst vor wenigen Tagen hatte eBay positive Geschäftszahlen veröffentlicht, der Umsatz und Gewinn sind im letzten Quartal im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. CEO Jamie Iannone sprach von einem starken Start ins Jahr. Strategisch konzentriert sich eBay aktuell verstärkt auf besonders lukrative Kategorien wie Sammelartikel, Autoteile und gebrauchte Mode.
Von eBay selbst gibt es bislang keine offizielle Reaktion auf das Übernahmeangebot. Ob und wann sich das Unternehmen äußert, bleibt abzuwarten.
Der Deal wirkt ungewöhnlich, macht strategisch aber Sinn, denn GameStop und eBay sprechen ähnliche Zielgruppen an. Eine Übernahme könnte GameStop im E-Commerce stärken, bleibt aber wegen offener Finanzierungsfragen und hoher Umsetzungsrisiken unsicher.
Quelle: heise/Der Aktionär

