Bar oder Karte? Beim Bezahlen scheiden sich oft die Geister. Während die einen weiterhin auf Bargeld schwören, ist für andere Kartenzahlung längst Standard. Genau hier will die Politik jetzt ansetzen und einiges verändern.

Gerade in der Gastronomie und im Einzelhandel stößt man noch häufig auf „Cash Only“. Das könnte sich bald ändern, denn geplant ist, dass Händler künftig verpflichtet werden, mindestens eine digitale Zahlungsoption anzubieten. Aktuell gibt es diese Pflicht noch nicht. Händler müssen also keine Kartenzahlung akzeptieren. Was jedoch bereits gilt: Zusatzgebühren für Kartenzahlungen sind verboten, Hinweise wie „Kartenzahlung erst ab 10 Euro“ sind dagegen erlaubt.
Dass der Bedarf da ist, zeigt auch eine aktuelle Umfrage: 88 Prozent der Deutschen erwarten Kartenzahlung, und rund 40 Prozent haben schon einmal ein Geschäft gemieden, wenn nur Bargeld akzeptiert wurde. Die Richtung ist also klar.
Der Bund steht unter Druck
Auf politischer Ebene wächst der Druck. Bei der kommenden Koalitionsklausur im April soll eine Initiative zur digitalen Bezahlung angestoßen werden. Ziel ist mehr Transparenz im Zahlungsverkehr und eine echte Wahlfreiheit für Kundinnen und Kunden.
Denn eigentlich wurde genau das schon im Koalitionsvertrag festgehalten: Bargeld und digitale Zahlungsmethoden sollten parallel angeboten werden. Passiert ist bisher allerdings wenig.
Weniger Bargeld, weniger Betrug?
Ein weiterer Grund für die geplanten Änderungen ist der Kampf gegen Steuerhinterziehung. Vor allem in bargeldintensiven Branchen entgehen dem Staat laut Schätzungen jährlich über 15 Milliarden Euro. Hinzu kommen Verluste durch Schwarzarbeit und nicht gezahlte Sozialabgaben. Auch Kontrollen sind bisher eher selten: In vielen Betrieben finden kaum Kassenprüfungen statt.
Allerdings sollen nicht alle Unternehmen zur Kartenzahlung verpflichtet werden. Ausnahmen sind zum Beispiel möglich, wenn die technische Infrastruktur fehlt oder kleine Betriebe nachweisen können, dass die Umstellung eine unzumutbare Belastung darstellt.
Wann kommt der digitale Euro?
Auch auf EU-Ebene tut sich etwas, denn mit dem geplanten digitalen Euro soll Europa unabhängiger von Anbietern wie PayPal oder Visa werden. Der Start ist frühestens für 2029 geplant. Dann könnte digitales Geld direkt über eine Wallet auf dem Smartphone genutzt werden.
Bargeld wird so schnell nicht verschwinden und bleibt für viele weiterhin ein wichtiger Bestandteil im Alltag. Dennoch ist klar erkennbar, dass sich das Zahlungsverhalten verändert hat. Kartenzahlung und digitale Optionen werden immer stärker nachgefragt. Die geplanten Maßnahmen zeigen jedoch, dass der Trend klar in Richtung mehr Flexibilität und Wahlfreiheit beim Bezahlen geht.
Quelle: t3n/Tagesspiegel

