Nach verschiedenen anderen Ländern plant nun auch Spanien ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Der Zugang zu Plattformen wie TikTok oder Instagram soll für Minderjährige deutlich eingeschränkt werden.

Jugendliche vor dem “digitalen Wilden Westen” schützen
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte an, den Zugang zu sozialen Medien für unter 16-Jährige gesetzlich verbieten zu wollen. Jugendliche müssten besser vor dem geschützt werden, was er als „digitalen Wilden Westen“ bezeichnet. Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche soll diese vor Hassrede, Desinformation, pornografischen Inhalten und manipulativen Algorithmen schützen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll bereits in der kommenden Woche ins spanische Parlament eingebracht werden. Kern des Vorhabens ist es, die Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung zu nehmen. Diese sollen verpflichtend wirksame Systeme zur Altersverifikation einführen, so der Plan. Zusätzlich will Spanien künftig Führungskräfte sozialer Netzwerke bei der Verbreitung illegaler Inhalte oder Hassrede haftbar machen.
Vorbild Australien, Signal an Europa
Spanien orientiert sich dabei deutlich am australischen Modell. Dort dürfen Jugendliche unter 16 seit Dezember 2025 bestimmte soziale Netzwerke nicht mehr nutzen. Spaniens Regierungschef Sánchez hat andere europäische Staaten auch dazu aufgerufen, ähnliche Schritte zu gehen. Auch weitere EU-Staaten wie Dänemark, Italien, Frankreich, Norwegen, Großbritannien und Griechenland prüfen oder haben bereits vergleichbare Regelungen eingeführt.
In Griechenland ist beispielsweise seit Oktober 2025 ein umfassendes Verbot in Kraft. Die technische Umsetzung erfolgt über die staatliche App Kids Wallet, mithilfe derer Eltern den Zugriff auf soziale Netzwerke, Glücksspiel- oder Erotikseiten direkt auf den Endgeräten der Kinder steuern können. Die griechische Regierung betont, es handle sich dabei nicht um Überwachung, sondern um ein Instrument elterlicher Kontrolle.
Spanien setzt auf Plattformpflichten
Anders als Griechenland plant Spanien keine zentrale staatliche App. Stattdessen wollen sie die Verantwortung direkt bei den Plattformen verankern. Altersverifikation soll hier verpflichtend werden, zudem kündigte Sánchez verstärkte Überprüfungen durch die Staatsanwaltschaft an. Dabei sollen auch große Dienste wie X, TikTok oder Instagram genauer unter die Lupe genommen werden.
Social-Media-Verbot für Jugendliche, ein internationaler Trend
Auch Frankreich treibt ähnliche Pläne voran. Dort soll der Zugang zu sozialen Medien für unter 15-Jährige ab 2026 eingeschränkt werden. Großbritannien setzt mit dem Online Safety Act bereits seit 2023 auf strenge Alterskontrollen für schädliche Inhalte. In Deutschland wird ebenfalls intensiv über verpflichtende Altersverifikation für Social Media-Plattformen diskutiert. Bislang liegt der Fokus hier jedoch auf der konsequenteren Durchsetzung bestehender Jugendschutzregeln.
Fazit
Spanien reiht sich damit in einen klaren internationalen Trend ein. Der Schutz Minderjähriger im Netz soll strenger, verbindlicher und notfalls auch mit Verboten durchgesetzt werden. Ob Altersverifikation und Plattformhaftung tatsächlich die gewünschten Effekte erzielen werden oder damit doch eher neue Probleme entstehen – Stichwort Datenschutz – wird sich zeigen. Die Debatte über den richtigen Umgang mit Social Media steht jedenfalls erst am Anfang.
Quellen: Tagesschau, Golem

