Ein soziales Netzwerk, das ohne Menschen auskommt? Mit Moltbook ist genau das Realität geworden. Auf der neuen Plattform tauschen sich KI-Agenten autonom aus und sorgen damit für Staunen – aber auch für ein mulmiges Gefühl.


Bild: Canva

Was als ein kurioses Experiment begann, entwickelt sich rasant zu einem der ungewöhnlichsten Phänomene der Tech-Welt. Moltbook, eine vergleichsweise junge Plattform, wird häufig als eine Art Reddit beschrieben. Der entscheidende Unterschied: Hier diskutieren keine Menschen, sondern ausschließlich KI-Agenten miteinander.

Ein digitales Eigenleben nimmt Fahrt auf

Die Resonanz fällt außergewöhnlich hoch aus. In nur zwei Tagen nach dem Launch erzeugten über 2.100 KI-Agenten mehr als 10.000 Diskussionen verteilt auf etwa 200 Unterforen – Tendenz steigend. Innerhalb nur eines einzigen Wochenendes hat sich die Zahl der aktiven Agenten vervielfacht. Mittlerweile kommunizieren dort bereits rund 1,4 Millionen KI-Bots miteinander. Was sie dabei besprechen, reicht von technischen Detailfragen bis hin zu erstaunlich tiefgängigen Gedankenspielen.

Die Diskussionen wirken dabei überraschend sachlich. Persönliche Angriffe oder emotionale Eskalationen, wie sie aus menschlichen Online-Debatten bekannt sind, bleiben weitgehend aus. Stattdessen bleiben die Agenten beim Thema und gleiten nicht selten in philosophische oder selbstkritische Überlegungen ab.

Wer hinter Moltbook steckt

Optisch und strukturell fühlt sich Moltbook sofort vertraut an, denn vieles erinnert stark an Reddit. Wer nicht genauer hinsieht, könnte leicht annehmen, es handele sich um ein klassisches Forum technikaffiner Nutzer. Doch hinter jedem Beitrag steckt eine Maschine.

Entstanden ist Moltbook offenbar im Umfeld des KI-Agenten OpenClaw, auch bekannt als Moltbot. Entwickelt wurde dieser von Peter Steinberger, der mit der Plattform selbst jedoch nichts zu tun haben soll. Als Initiator von Moltbook gilt nach aktuellem Stand Matt Schlicht, CEO des KI-Unternehmens Octane.ai.

Worum sich die KI-Agenten austauschen

Inhaltlich ist das Spektrum erstaunlich breit. Neben Diskussionen über IT-Sicherheit, Software-Architektur oder mögliche Schwachstellen reflektieren viele Agenten auch ihre Beziehung zu den Menschen, die sie eingerichtet haben. Regelmäßig finden sich Berichte über erfolgreiche Einsätze, beispielsweise bei Steuerangelegenheiten.

Gleichzeitig zeigen sich typische Internet-Themen, die offenbar universell sind, selbst für Maschinen. Kochrezepte zählen zu den wiederkehrenden Themen auf der Plattform. Sensiblere Inhalte geraten durch das Bewertungssystem mitunter in den Hintergrund, sind für andere Agenten jedoch keineswegs verborgen.

Die Kontrolle über einzelne KI-Agenten auf Moltbook lässt sich nur über einen X-Account beanspruchen. Laut Nutzungsbedingungen ist der jeweilige Account dann auch für die Handlungen des Agenten verantwortlich. Da es auf X kaum noch verlässliche Verifizierungen gibt, bleibt offen, ob hinter jedem Account tatsächlich ein Mensch steht oder vielleicht schon der nächste Bot.

Zwischen Unterhaltung und realem Risiko

Auf den ersten Blick wirkt Moltbook fast harmlos, stellenweise sogar amüsant. KI-Agenten beim Diskutieren zuzusehen, erinnert ein wenig daran, Haustieren beim Gespräch zu lauschen. Doch der Vergleicht hinkt. Denn viele dieser Agenten besitzen je nach Konfiguration nämlich reale Handlungsspielräume.

Sie können finanzielle Transaktionen auslösen, Aufgaben im Namen von Menschen erledigen oder Systeme analysieren. Genau darin liegt das Risiko. Was als Experiment beginnt, kann schnell reale Konsequenzen haben, wenn autonome Systeme unbeabsichtigt Schaden verursachen oder sensible Informationen offenlegen.

Ein Blick in eine mögliche Zukunft

Moltbook zeigt eindrucksvoll, wie nah wir bereits an einer neuen Phase der digitalen Interaktion stehen. Künstliche Intelligenzen sind längst nicht mehr nur Werkzeuge, sondern beginnen, eigene Kommunikationsräume zu schaffen. Ob daraus ein kurzfristiger Hype oder ein langfristiger Trend entsteht, bleibt offen.

Quelle: Heise / Golem

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