Harry Potter und das Mobile-Game des Schreckens

Seit knapp einer Woche kann man mit dem Mobile-Game Hogwarts Mystery erneut in das Harry Potter Universum eintauchen. Die Idee, das Setting und auch der Trailer schienen auf ein stimmungsvolles und durchdachtes Spielerlebnis hinzudeuten. Viele Harry Potter Fans, mich eingeschlossen, waren im Vorfeld direkt begeistert und konnten es kaum noch erwarten die Geheimnisse in Hogwarts zu erkunden. Rückblickend entwickelte sich das Spiel jedoch zu einer herben Enttäuschung. Das Geschäftsmodell lässt den Spielern kaum Freiraum für Spielspaß und ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten.


© Harry Potter: Hogwarts Mystery

Doch alles der Reihe nach, denn eigentlich beginnt Hogwarts Mystery ganz harmonisch. Man bekommt seinen persönlichen Brief der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei, deckt sich in der Winkelgasse mit den nötigsten Schulsachen ein und findet sich wenig später bereits in der großen Halle wieder, wo der sprechende Hut nur darauf wartet dich in eines der vier Häuser einzuteilen. Wirklich spannend ist aber auch das nicht, denn vielmehr wählt man einfach sein Lieblings-Haus aus und das „Spiel“ beginnt. Der Anfang verläuft noch recht reibungslos, man erkundet ein wenig das Schulgelände, meistert die ersten Unterrichtsstunden und macht erste Bekanntschaften mit Mitschülern wandelnden Klischees. Tatsächlich hatte ich sogar Spaß dabei. Eine halbe Stunde lang.

Ödes Spielprinzip

Die Unterrichtsstunden gestalten sich nicht sonderlich spannend. Man tippt dauerhaft auf blau hervorgehobene Mitschüler oder Gegenstände und füllt somit eine Art Aktionsleiste am oberen Bildschirmrand. Ab und zu darf man kleine Gesten nachzeichnen um Zauber zu vollführen, oder eine Frage zum Harry Potter Universum beantworten. Das wars. Mehr geben die Unterrichtsstunden einfach nicht her. Und auch ansonsten glänzt das Spiel nicht wirklich durch Einfallsreichtum. Duelle laufen nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip ab und soziale Interaktionen begrenzen sich auf kurzatmige Konversationen, die man mit Leichtigkeit durch die verschiedenen Auswahlmöglichkeiten in eine bestimmte Richtung lenken kann. Von einem magischen Erlebnis ist man da noch weit entfernt.

Mangelnde Energie

Bei Harry Potter: Hogwarts Mystery handelt es sich um ein Free2Play-Game. Es war also zu erwarten, dass die Entwickler durch Ingame-Transaktionen ihr Geld verdienen möchten. Das Vorgehen der Entwickler ist aber erschreckend dreist. Bei jeder Aktion, die man in diesem Spiel tätigt, verbraucht euer Charakter Energie und sehr schnell ist man an dem Punkt angelangt, an dem die Energie einfach nicht mehr ausreicht um weiterzuspielen. Hier wird man von dem Spiel sinnbildlich vor die Wahl gestellt „Investiere X Geld in unser Spiel, oder warte“. An sich nicht komplett verwerflich. Immerhin muss tatsächlich etwas Geld eingespielt werden um so ein Spiel zu finanzieren und ich hätte auch kein Problem damit mal ein paar Minuten zu warten. Wenn man aber täglich nicht viel mehr als 15 Minuten Spielzeit bekommt und ansonsten mit warten abgestraft wird, hat das mit einem Kunden-orientierten Spielprinzip nicht mehr viel zu tun. Das Geschäftsmodell ist von vorne bis hinten auf Profit ausgelegt. Ihr würdet gerne genauer wissen, wie viel Geld ihr ausgeben müsstet um das Spiel problemlos zu spielen? Dann kann ich Euch das Video von Ultralativ nur ans Herz legen.

Seltene Lichtblicke

Ab und an kommt er dann doch wieder zurück, dieser verloren geglaubte Spaß. Etwas längere Dialoge, gerade die mit Professor Snape zeigen, dass dieses Spiel so unfassbares Potenzial besitzt. Die Geschichte rund um den mysteriösen Bruder erweckt ebenfalls mein Interesse und ich würde nur zu gerne wissen was es mit den Verliesen auf sich hat. Nur schade, dass ich es wohl nie erfahren werde. Ich schaue mittlerweile nur noch einmal am Tag rein, viel mehr kann man ja sowieso nicht machen. Unzählige Spieler rufen bereits dazu auf, das Spiel mit 1-Sterne Bewertungen zu strafen, damit die Entwickler in naher Zukunft doch noch einmal nachbessern. Große Hoffnungen sollte man aber wohl besser nicht haben.

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